Der Erinnerung verpflichtet

Dass Ochsenfurt in den letzten Kriegstagen 1945 wenig Zerstörung erfuhr, war vor allem dem immer schnelleren Zusammenbruch der Front geschuldet. Dass dabei aber Ochsenfurter Frauen auch eine wichtige Rolle gespielt hatten, ist nicht mehr vielen im Gedächtnis. Um dies zu ändern lasen Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums bei einer Gedenkveranstaltung der Stadt Ochsenfurt in Kooperation mit dem Arbeitskreis Geschichte aus Zeitzeugenberichten und zeitgenössischen Quellen. Zahlreiche Zuhörer waren zum Bollwerk gekommen, auf den Tag genau 80 Jahre nach einer aus mehreren Berichten belegten Begebenheit, die im Fokus des Gedenkens stand: mehrere Ochsenfurter Frauen hatten gegen die Befestigung der Stadt am Bollwerk protestiert und für den Abbau der Barrikaden gesorgt, trotz Bedrohung durch die noch anwesenden Vertreter des NS-Regimes. Die US-Truppen bekämpften Sperren und Widerstand bekanntermaßen mit massivem Beschuss, um eigene Verluste zu minimieren. Dass Ochsenfurt nicht direkt verteidigt wurde, führte daher vermutlich zu deutlich geringerer Zerstörung, obwohl die Brücke noch kurz vor dem Einmarsch von den Deutschen selbst teilweise gesprengt worden war. Ein Denkmal erinnert seit 2007 vor Ort an diesen Protest.

Die teils dramatischen Texte, die mit verschiedenen Rollen vorgetragen wurden, ließen diese letzten Kriegstage den Zuhörenden vor Augen treten. Es schien mehr als passend, dass diese Stimmen der Vergangenheit dabei von jungen Stimmen vorgetragen wurden, um die Weitergabe der Erinnerung zu verdeutlichen.

Bürgermeister Peter Juks mahnte mit eindringlichen Worten, das Beispiel der Frauen zu würdigen und zugleich als Vorbild zu nehmen in Zeiten, in denen Zivilcourage wieder zur essentiellen Währung der Demokratie wird. Auch Anton Gernert als Leiter des Arbeitskreises Geschichte wies auf die Bedeutung der Protestaktion hin, die in den letzten Kriegswirren unter hohem persönlichen Risiko geschah. Der angedachten Strafe für das Aufbegehren scheinen die Frauen nur durch die rasche Flucht der NS-Vertreter entgangen zu sein.

Altbürgermeister Peter Wesselowsky, seines Zeichens lange auch Ochsenfurter Stadtarchivar, unterstrich abschließend die Zeitlosigkeit der Werte, die das Handeln der Frauen geleitet hatten.

(Ri)